Pflanzenextrakte, Pulver und Säfte sind sehr beliebte Inhaltsstoffe in kosmetischen Produkten, da sie vielfältige Eigenschaften besitzen. Die Glycyrrhetinsäure, die wir heute genauer beschreiben, wird aus Süßholz isoliert.
Das aufrechte Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Pflanze, die bereits aus der Antike bekannt ist. Verschiedenen Extrakten und reinen Verbindungen wurden unterschiedliche biologische Eigenschaften nachgewiesen, darunter antibakterielle, antivirale, antioxidative, entzündungshemmende und antidiabetische Wirkungen. In der chinesischen Medizin ist Süßholz als Inhaltsstoff bekannt, der die gesamte Zusammensetzung einer Formulierung „harmonisiert“.
Eigenschaften der Glycyrrhetinsäure oder Enoxolon
In kosmetischen Produkten ist sie üblicherweise in Konzentrationen bis zu 2 % enthalten. Allergische Kontaktdermatitis durch Glycyrrhetinsäure wird nicht festgestellt oder nur sehr selten berichtet. Grundsätzlich verträgt unsere Haut diese Säure gut. Ihr werden entzündungshemmende, antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften zugeschrieben. Es wird auch erforscht, wie man die Penetration durch die Hornschicht in Form von Liposomen erhöhen kann.
Entzündungshemmende Wirkung
Glycyrrhetinsäure hemmt die Produktion und Expression von Molekülen, die Entzündungen auslösen. Das bedeutet, dass Entzündungen letztlich nicht auftreten oder stark reduziert sind.
Da sie entzündungshemmend wirkt, kann sie zur Behandlung von atopischer Dermatitis, Juckreiz oder Akne vulgaris eingesetzt werden. Sie kann nach Sonnenbrand und Erythemen verwendet werden, da sie die Haut beruhigt und eine schnellere Regeneration bzw. Wiederherstellung der normalen Funktion ermöglicht.
In einer Konzentration von 0,5 % reduziert sie Erythem und Pigmentierung, die durch UVB-Licht verursacht wurden. Neben der entzündungshemmenden Wirkung besitzt die Säure auch aufhellende Eigenschaften, weshalb sie auch in kosmetische Produkte zur Hautaufhellung oder zur Vereinheitlichung des Hauttons eingearbeitet wird.
Juckreizhemmung – antipruritische Wirkung
Studien haben bestätigt, dass Glycyrrhetinsäure wirksam Juckreiz bei chronischer Dermatitis verhindert, obwohl sie das Hauptmolekül (Histamin), das Juckreiz verursacht, nicht hemmt. Dennoch wird der Säure eine antipruritische Wirkung zugeschrieben, da sie die Produktion eines anderen Moleküls (Leukotrien B4) hemmt, das ebenfalls am Entzündungsprozess beteiligt ist.
In einer Studie wurden zwei Formulierungen mit Süßholzwurzelextrakt (1 und 2 %), der auch Glycyrrhetinsäure enthielt, getestet. Sie wurden zur Behandlung atopischer Dermatitis verwendet, wobei festgestellt wurde, dass die 2 % Konzentration wirksamer war und Rötung, Schwellung und Juckreiz linderte.

Antivirale Wirkung
Glycyrrhetinsäure wirkt antimikrobiell gegen einige Bakterienarten (Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus epidermidis…). Diese Eigenschaft kann bei der Behandlung von Hauterkrankungen genutzt werden, die durch Mikroorganismen verursacht werden, da sie deren Aktivität hemmt und so die Weiterentwicklung der Erkrankung verhindert.
In kosmetischen Formulierungen unterstützt die Anwesenheit von Glycyrrhetinsäure die Funktion aktiver Wirkstoffe und wirkt zudem als Hilfskonservierungsmittel, kann aber nicht allein verwendet werden, da sie nur gegen bestimmte Mikroorganismen wirkt, nicht gegen alle.
Antioxidative Wirkung
Glycyrrhetinsäure schützt menschliche Keratinozyten vor Schäden durch UVB-Strahlung, neutralisiert freie Radikale und kann Schäden an unserem Erbgut verhindern. Aufgrund ihrer antioxidativen Wirkung hemmt sie auch die Oxidation von Lipiden, wodurch diese nicht verderben. Die Hautalterung wird dadurch ebenfalls verlangsamt.
Im Vergleich zu Kortikosteroiden
Glycyrrhetinsäure hat eine ähnliche Struktur wie Kortikoidhormone. Kortikosteroide unterdrücken das Immunsystem und verursachen dadurch verschiedene Nebenwirkungen (Hemmung der Keratinozytenvermehrung, Hemmung der Kollagen- und Elastinsynthese…). Der Vorteil der Glycyrrhetinsäure gegenüber Kortikosteroiden ist, dass sie ebenfalls entzündungshemmend wirkt, aber nicht das Wachstum von Viren oder Pilzen fördert und nicht die Nebenwirkungen hat, die Kortikosteroide verursachen.
Glycyrrhetinsäure und AtopicLotion
In AtopicLotion haben wir diesen Inhaltsstoff hinzugefügt, da die Lotion für Haut mit Neigung zu atopischer Dermatitis, geröteter und/oder juckender Haut bestimmt ist und Glycyrrhetinsäure genau bei dieser Haut den Zustand verbessert. Gleichzeitig ist es ein Inhaltsstoff, den unsere Haut im Allgemeinen gut verträgt und der keine zusätzlichen Probleme verursacht, sondern zur allgemeinen Beruhigung und Regeneration der Haut beiträgt.
Literatur:
Pastorino G, Cornara L, Soares S, Rodrigues F, Oliveira MB. Liquorice (Glycyrrhiza glabra): A phytochemical and pharmacological review. Phytotherapy Research. 2018: 1-17
Kowalska A, Kalinowska‐Lis U. 18β‐Glycyrrhetinsäure: ihre wichtigsten biologischen Eigenschaften und dermatologische Anwendungen. International Journal of Cosmetic Science. 2019: 1-23
Final Report on the Safety Assessment of Glycyrrhetinic Acid, Potassium Glycyrrhetinate, Disodium Succinoyl Glycyrrhetinate, Glyceryl Glycyrrhetinate, Glycyrrhetinyl Stearate, Stearyl Glycyrrhetinate, Glycyrrhizic Acid, Ammonium Glycyrrhizate, Dipotassium Glycyrrhizate, Disodium Glycyrrhizate, Trisodium Glycyrrhizate, Methyl Glycyrrhizate, and Potassium Glycyrrhizinate. International Journal of Toxicology. 2007; 26(1):79–112.
